Festliche Tage
Donnerstag, 22. Dezember 2011
Wo ich die Weihnachtstage verbringe? Genau! Im Aura-Hotel in Timmendorfer Strand natürlich. Wo sonst würde ich so verwöhnt und könnte gleichzeitig so viel erleben. Schon die letzten Tage waren angefüllt mit kleinen und großen Kostbarkeiten. Das Krippenspiel im Gymnasium Katharineum in Lübeck zum Beispiel, jener Lehranstalt, zu deren Schülern Werner von Siemens, Theodor Storm, Heinrich und Thomas Mann und Erich Mühsam gehörten. Auf Plattdeutsch agierten Schüler von der fünften bis zur Abschlussklasse und brachten eine tadellose Leistung dar mit viel Chorgesang und langen Textpassagen.
Sehr schön und weihnachtlich war ging es auch auf dem Kunsthandwerkermarkt in der Lübecker Petrikirche zu, auch wenn ich nichts festliches, sondern ein kleines Holstentor aus Bronze erstand, an dem man die Architektur des Bauwerkes gut mit den Händen sehen kann.
Große Kultur gab es dann im Lübecker Stadttheater bei einer Aufführung von Verdis »La Traviata«. Auch in der Provinz wird große Oper auf erstaunlichem Niveau geboten.
Ein ganz besonderes Erlebnis war ebenfalls musikalischer Natur und zudem für mich eine Premiere. Zum ersten Mal in meinem Leben besuchte ich das Prüfungskonzert einer Musikhochschule - und zwar ebenfalls in Lübeck. Eine Flötistin und ein Klarinettist stellten sich den kritischen Ohren der Prüfer und spielten jeweils mit unterschiedlichen Begleitungen (Cembalo, Harfe, Klavier usw.) Stücke verschiedenster Stile und Zeiten. Es war großartige Musik und die Begeisterung der jungen Musiker, die nunmehr ihren Bachelor erworben haben, war in jeder Note zu spüren.
So freue ich mich jetzt auf die weiteren Tage hier an der Ostsee. Erlebnisreich, besinnlich und voller Genüsse. Das gleiche wünsche ich allen Lesern dieses kleinen Blogs.
Frohe Weihnachten!
Herbstblues
Freitag, 21. Oktober 2011
Zwei ganz unterschiedliche, aber herausragend gute Veranstaltungen habe ich in den vergangenen Tagen besucht. Das Konzert von Körrie Kantner and his not so big Band war ein großes Vergnügen. Wie schreibt der Bandleader über sich selbst: „Der Junge mit der Mundharmonika“ ist was anderes. Dabei beherrscht Körrie Kantner seine Blues Harp so virtuos, wie die ganz Großen des Blues. Dazwischen singt er: von Frauen, Männern, Liebe und Atommeilern. Und damit man das nicht so genau versteht, übertönt ihn die vielleicht kleinste Bigband der Welt: eine kraftvolle Horn Section, ein paar reizende Backgroundsängerinnen und das groovige Rocktrio. Heraus kommt Swing und Pop oder Bluesfunk. oder etwas zwischen allem. Die Musik und Bühnenperformance der Band wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. auf dem Jazz Festival Pinneberg.
Gestern beantwortete Nestor Kuckhoff, der Dompropst von St. Marien, in der Gertrudkirche in Uhlenhorst unsere Fragen über die katholische Liturgie. Ich fand es sehr angenehm, dass er auf eine klassischen Vortrag verzichtete, so war die Veranstaltung viel lebendiger und informativer. Wieder einmal wurde mir klar, wie nah wir Christen doch beieinander sind. Es müsste doch möglich sein, die wenigen trennenden Riten zu vereinheitlichen. Irgendwann wird es so weit sein, ich bin mir nur nicht sicher, ob ich es noch erlebe.
Belcanto
Montag, 17. Oktober 2011
Ich habe ja schon häufiger erwähnt, dass ich mir schon vor Jahren einen Platz in einer Seniorenresidenz reserviert habe. Schließlich weiß niemand, wie lange er alleine in seiner Wohnung klar kommt. Ich wollte selbst und in aller Ruhe entscheiden, wo ich die letzte Lebensphase verbringen werde und kann das jedem nur raten. Ich kenne meinen »letzten Lebensplatz« und besuche ihn auch regelmäßig, obwohl ich hoffe, dass es noch möglichst lange dauert, bis ich dorthin umziehe. Im Moment geht es mir noch gut in meiner gemütlichen Wohnung und ich verschwende keinen Gedanken daran, sie aufzugeben. Am vergangenen Sonntag war ich wieder einmal Gast in dieser schönen Wohnstätte für alte Menschen. Ich nehme die Einladungen zu den kulturellen Veranstaltungen, die dort regelmäßig angeboten werden, gerne an. Diesmal brachten zwei Sopranistinnen und ein Tenor, begleitet von einem Pianisten, »Glanzlichter der italienischen Oper« zu Gehör. Es war ein wunderbares Konzert. Viele der »Opernschlager« konnte ich fast mitsingen, so oft habe ich sie in meinem Leben gehört. Verdi, Rigoletto, Donizetti - Belcanto in Reinkultur ist eben immer wieder schön und vertreibt ganz schnell die herbstliche Melancholie.
Die wurde dafür bei einem Vortrag wieder zum Leben erweckt, den ich heute besuchte. Jörgen Bruhn sprach über Nahtoderfahrungen. Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Theologe und Pädagoge mit Menschen, die dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen sind. Er hat unzählige Gespräche mit ihnen geführt und dabei immer wieder ähnliche Muster entdeckt. Alle »Nahtoten« berichteten von völliger Angstfreiheit, Geborgenheit und einen tiefen Glücksgefühl. Am besten gefiel mir dieser Vergleich: Man fühle sich im Moment des Todes so, als wenn man frisch verliebt sei - nur tausend Mal schöner.
Wieder daheim
Sonntag, 14. August 2011
Ich bin wieder daheim. Gestern Morgen gingen wir von Bord der MS Europa. Drei schöne, ereignisreiche Wochen sind zu Ende. Wir haben fast 10.000 Kilometer zurückgelegt. Auf einem Schiff wohlgemerkt und nicht mit dem Flugzeug. Wir haben faszinierende, karge, teils abweisende und kalte Landschaften gesehen. Wir konnten an vielen Abenden wundervolle Musik genießen, Klassik und Jazz. Wir wurden vom Personal umsorgt, wie ich das noch nie zuvor erlebt habe. Es sind wirklich wunderbare junge Menschen, die dort arbeiten.
Ach ja, bevor ich weiter schwärme: der letzte Stopp war Oslo. Endlich schien auch die Sonne und es war wieder warm. So konnten wir den Stadtspaziergang durch diese lebendige, junge Metropole genießen - samt Kaffeetrinken in einem Straßencafé. Wieder an Bord hieß es dann Abschied nehmen von dem Schiff, das drei Wochen mein Zuhause war und einigen Menschen, die einem in dieser Zeit ans Herz gewachsen sind.
Übrigens: Wem diese Kurzberichte über die Reise zu wenig ausführlich sind, dem sei gesagt: Wie schon über andere Reisen werde ich gemeinsam mit Matthias ein Reisebuch verfassen, das dann auch im Buchhandel zu erhalten sein wird. Bis dahin dauert es allerdings noch ein bisschen. Schließlich will es erst geschrieben sein. Jetzt muss ich aber erst einmal wieder im Alltag ankommen. Ich bin sicher: Das geht schneller, als ich denke.
Musikdampfer
Dienstag, 9. August 2011
Der Ausflug zum Nordkap war ein Reinfall. Das Wetter schlug um, es wurde nebelig und Sprühregen setzte ein. So war nichts zu sehen. Immerhin konnte ich im Souvenirshop ein kleines Modell der Meridiankugel erwerben, damit auch meine blinden Freunde einen Eindruck davon bekommen können.
Danach standen zwei Städte auf dem Programm. Hammerfest und Tromsö, die sehr unterschiedlich waren. Hammerfest ist eher ein Dorf, während Tromsö durchaus städtische Züge hat. Kleinstädtische zugegeben. In Hammerfest besuchten wir selbstverständlich den Eisbärenclub, wenn wir schon kein lebendes Exemplar gesehen haben, so konnte ich hier einen ausgestopften Riesenbären befühlen. In Tromsö unternahmen wir einen ausgiebigen Stadtspaziergang, etwas getrübt, weil Sonntag war und alle Geschäfte geschlossen. So wirkte der Ort etwas ausgestorben. Entschädigt wurden wir aber durch das abendliche Konzert der ARD-Preisträger und Friends in der Eismeerkathedrale. Großartige Musik wurde uns dort zu Gehör gebracht.
Gestern gab es dann wieder Jazzmusik vom feinsten mit Pe Werner, die Stücke aus ihrem aktuellen Programm »Mondrausch« sang, begleitet von der herausragenden Band Sonophonics, die vor ein paar Tagen auch schon mit der schwedischen Sängerin Rigmor Gustafsson aufgetreten waren. Was für tolle Musiker wir hier an Bord erleben dürfen - und das alles, ohne erst mit U-Bahn oder Taxi quer durch die Stadt zu fahren. Zwei Minuten Spaziergang über das Schiff und man ist im Konzertsaal. Das ist vielleicht das Schönste an dieser Kreuzfahrt.
Heute waren wir in Alesund, einer hübschen mittelgroßen norwegischen Stadt mit 44.000 Einwohnern. Leider spielte das Wetter wieder nicht mit und es regnete während unseres Stadtspaziergangs. Da freute man sich besonders auf eine gute Tasse Kaffee und ein leckeres Stück Kuchen.
Spitzbergen
Freitag, 5. August 2011
Was für aufregende Tage liegen hinter uns. Zunächst: Die Anlandung in Grönland klappte nicht, der Nebel war zu dicht, um eine Fahrt durch das Eis zu riskieren. Mir fiel ehrlich gesagt ein kleiner Stein vom Herzen, denn ganz wohl hatte ich mich bei der Aktion nicht gefühlt. Stattdessen ermöglichte Kapitän Damaschke Passagieren, die das wollten, einen Landgang auf der einsamen Insel Jan Mayen, die ziemlich genau auf halbem Weg zwischen Island und Spitzbergen liegt. Es wird nur wenigen Passagierschiffen überhaupt gestattet, Gäste auf die Insel zu bringen. Meine Begleiter und ich verzichteten darauf, denn zum einen war es immer noch sehr neblig, zum zweiten kalt und es war eine »nasse« Anlandung angekündigt, wonach uns nun wirklich nicht der Sinn stand.
Vorgestern erreichten wir dann Spitzbergen. Morgens spazierten wir durch Ny-Alesund, eine kleine Siedlung, die ausschließlich aus internationalen Forschungsstationen besteht. Gerade einmal 1.200 Kilometer sind es von hier noch bis zum Nordpol. Ein Katzensprung. Hier wurde einst Expeditionsgeschichte geschrieben, denn von Ny-Alesund aus startete Amundsen 1925 seine erfolgreiche Nordpolexpedition. 1926 flog Amundsen mit zwei Begleitern erstmals mit einem Luftschiff über den Pol. Der Landemast der »Norge« ist heute noch zu sehen. Selbstverständlich ließen wir es uns nicht nehmen, im nördlichsten Postamt der Welt einige Ansichtskarten aufzugeben.
Nachmittags lag MS Europa im Lilliehöökfjord, in den sich ein beeindruckender Gletscher ergießt. Ein unwirkliche, aber wie mir meine sehenden Begleiter versicherten, zugleich faszinierende Landschaft.
Abends wurden wir dann mit den Tenderbooten an Land gebracht. Die Bucht heißt Möllerhafen, obwohl hier nur ein einziges Haus steht: die 1926 von der Reederei Lloyd errichtete Schutzhütte. Die Crew hatte den ganzen Tag über die »nördlichste Bar der Welt« eingerichtet und wir ließen uns Gulaschsuppe und Bratwürstchen schmecken. Dazu gab es leckeren Glühwein und das Bordorchester »Fith Avenue« zeigte, dass die Musiker auch unplugged hervorragend aufspielen können.
Gestern besuchten wir Lonyearbyen, die Hauptstadt Spitzbergens. Gerade einmal 1.900 Einwohner leben in dieser recht schmucklosen Bergwerksstatt, aber immerhin gibt es einen recht großen Supermarkt - der, wie könnte es anders sein, nördlichste der Welt - und einige andere Geschäfte, Restaurants, einen Kindergarten, eine Schule und sogar ein Kino. Außerdem tut es gut, zwischendurch mal einen Spaziergang an Land zu machen. Abends trat erneut Detlev Wutschnik alias Werner Mommsen auf und ich hatte die Gelegenheit, die Puppe ausgiebig zu befühlen und mich mit dem Künstler zu unterhalten. Ein netter Mann, der zu allem einen passenden Spruch hat - wie Mommsen eben.
Heute Abend steht noch ein später Ausflug an das Nordkap auf dem Programm. Dunkel wird es ja schon seit Tagen nicht mehr und so spielt die Zeit keine Rolle. Wobei es ja schon ein bisschen seltsam ist, an die Stelle zu fahren, wo die nördlichste Spitze Europas sein soll, obwohl wir doch schon so weit nördlicher waren. Man sollte eben nicht alles auf die Goldwaage legen.
Silberner Pazifikkrebs
Sonntag, 31. Juli 2011
Heute ist wieder ein Seetag. Zum Glück, denn die letzten Tage waren so angefüllt mit Erlebnissen, dass es gut tut, einmal nicht von Bord »zu müssen«. Kalt ist es allerdings geworden. Draußen treiben Eisschollen auf dem Wasser. Der Kapitän hatte schon beim Galaabend angekündigt, zu versuchen in den Scoresby Sound auf Grönland einzufahren. Ob es klappt, steht im Moment aber noch in den Sternen, denn zu den immer dichter werdenden Eisschollen kommt jetzt auch noch dichter Nebel. So ganz wohl fühle ich mich in dieser Situation ehrlich nicht, obwohl ich weiß, dass die Schiffsführung ganz sicher kein Risiko eingehen wird.
Vor vier Tagen fügte ich der Liste der von mir besuchten Länder ein weiteres hinzu: Die Färöer Inseln. MS Europa lag den ganzen Tag im Hafen der kleinen Inselhauptstadt Torshavn. Auch hier hatten wir einen Landausflug gebucht. Die Busfahrt führte durch eine sattgrüne Hügellandschaft, in der es allerdings kaum Bäume gab. Einen Stopp machten wir an einer kleinen Kirche, wo uns die beiden lokalen Reiseleiter die Nationalhymne der Färöer vorsagen - ungewöhnliche Musik für eine Kirche.
Der nächste Tag war wieder ein Seetag. Inzwischen habe ich gelernt, dass es allerdings nicht weit her ist mit dem süßen Nichtstun an diesen Tagen. Viel zu viel wird den Passagieren angeboten. Vormittags kann man Vorträge zu den kommenden Zielen der Reise oder den Gebieten, in denen man sich gerade befindet, anhören. Abends gibst es Kulturgenüsse ersten Ranges der virtuosen ARD-Klassikpreisträger oder Kabarett / Comedy von Detlev Wutschnik bzw. Herrn Mommsen, wie seine Puppe heißt, die das Geschehen an Bord und in der Welt kommentiert.
Gestern und heute kam das nächste Land zu meiner Liste hinzu: Island. Zunächst besuchten wir die Westmännerinsel, genauer die Hauptinsel Heimaey. Den Aufenthalt dort nutzte die Besatzung übrigens zum Fischen. Der Kapitän angelte zusammen mit dem Kreuzfahrtdirektor und dem Touristikchef - sicherlich von einigen philippinischen Seeleuten unterstützt - 200 Kilo Fisch. Das reichte, um Passagiere und Seeleute mit frischem Meeresgetier zu versorgen.
Gestern flanierte ich durch Reykjavik, wie immer perfekt von Monika geführt. Sie und ihr Mann Matthias haben mich ja schon auf vielen großen und kleinen Reisen begleitet und ich kann mich hundertprozentig auf sie verlassen. Matthias hatte einen Ganztagesausflug auf einen Gletscher gebucht und wir Frauen nutzten die Gelegenheit zu einem Einkaufsbummel. Mit Erfolg, denn ich erstand eine flauschig weiche Strickjacke. Aus Islandwolle natürlich.
Abends wurde ich dann getauft. Von Neptun diesmal. Auf den Namen »Silberner Pazifikkrebs«. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es einen solchen Krebs überhaupt gibt und wenn ja, ob es ein schönes und freundliches Tier ist. Aber Namen kann man sich eben nicht aussuchen.
Schiff ahoi!
Dienstag, 26. Juli 2011
Wenn es im Moment hier etwas ruhiger ist, hat das einen ganz einfachen Grund: Ich bin mal wieder auf Reisen. Nun gut, das überrascht vermutlich niemanden meiner Leser, aber mein Reiseziel wird eher für Verwunderung sorgen. Seit drei Tagen bin ich auf einem Schiff, einem Traumschiff, genauer: der MS Europa. Am Sonntag gingen wir an Bord und sind nun auf dem Weg zum Polarkreis.
Inzwischen habe ich mich gut eingelebt in meinem Zuhause für die nächsten drei Wochen. Obwohl es mir die See nicht leicht machte, denn gleich am zweiten Tag und vor allem in der Nacht hatten wir bewegte See. Die Nordsee zeigte uns gleich einmal, dass mit ihr nicht zu spaßen ist.
Gestern war ein Seetag, einer von vielen, die in den kommenden Wochen noch folgen werden. Seetage sind schön. Man kann sich dem süßen Nichtstun hingeben. Dachte ich zumindest. Aber erst einmal musste man sich an Bord zurechtfinden, denn auch wenn die Europa verglichen mit den Schiffsriesen von heute eher klein ist, so ist es doch nicht leicht, sich zu orientieren. Und abends stand dann ja auch gleich der erste Galaabend an. Also musste man sich so richtig aufhübschen, was bei uns Frauen ja seine Zeit dauert. Der Abend verlief harmonisch, das Essen war ausgezeichnet und bei der anschließenden Gala zeigten die Künstler, die uns in den kommenden Wochen unterhalten werden, Kostproben ihres Könnens. Das machte Lust auf mehr, vor allem die ARD-Preisträger und Friends, auf deren Klassikkonzerte ich mich besonders freue.
Heute stand der erste Landausflug auf dem Programm, denn MS Europa lag vor Lerwick auf Reede. Der Hauptort der Shetland-Inseln ist zugleich die nördlichste Stadt des britischen Empire. Wir hatten eine Inselrundfahrt mit dem Bus gebucht und besichtigten zunächst die Ruinen des alten Schlosses in Scalloway, der ehemaligen Hauptstadt der Shetlands. In der Nachbarschaft besuchten wir ein kleines, aber interessantes Museum zur Inselgeschichte und vor allem zur Seefahrt und Fischerei, dem Haupterwerbszweig der Insulaner.
Auf dem Rückweg zum Schiff legten wir einen Stopp bei einer Farm ein, die sich auf die Zucht der typischen, bei Kindern so beliebten Shetlandponys ein.
Garten der Frauen
Montag, 11. Juli 2011
In jeder Stadt gibt es Orte und Einrichtungen, die noch recht unbekannt sind. Über einen dieser besonderen Plätze in Hamburg möchte ich heute schreiben. Der gut 1000 qm große »Garten der Frauen« ist eine vom gleichnamigen Verein getragene, im Jahre 2000 gegründete und im Sommer 2001 eröffnete Gedenkstätte, auf der alte Grabsteine bedeutender Frauen aufgestellt werden. Das Ziel ist es, Frauen, die Hamburgs Geschichte mitgeprägt haben, in bleibender Erinnerung zu behalten. Denn im Gegensatz zum Umgang mit bedeutenden männlichen Persönlichkeiten, deren Verdienste gewürdigt werden und deren Andenken bewahrt wird, geraten weibliche Persönlichkeiten schnell in Vergessenheit.
Der Garten der Frauen befindet sich im alten Teil des Ohlsdorfer Friedhofs nahe der Cordes-Allee beim Wasserturm an einem lichten, von Rhododendronbüschen umsäumten Ort, an dem Frauen auch bestattet werden können. Weil mir die Idee dieser Gedenkstätte gut gefällt, habe ich schon vor Jahren eine Grabstätte erworben, denn damit unterstützt man auch die Idee und den Trägerverein. Deshalb war ich auch zur zehnjährigen »Geburtstagsfeier« des Gartens der Frauen eingeladen. Es war eine schöne Feier mit interessanten Vorträgen und beschwingter Musik, dargeboten von einem Frauensalonorchester. Wie könnte es an diesem Ort auch anders sein.
Blinde Fotografin II
Freitag, 8. Juli 2011
Über das Projekt des Hamburger Fotografen habe ich hier schon ausführlich berichtet. Nun kann das Ergebnis bestaunt werden:
Ich muss sagen, dass mir die Bilder allesamt sehr gut gefallen. Und auf mein Porträt bin ich sogar ein bisschen stolz.
Geschrieben von Die Blindgängerin
um
15:37
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Mondlandung und Gaumenschmaus
Donnerstag, 30. Juni 2011
Es gibt Dinge, die sind interessant, nur nicht für Blinde. Ein Besuch im Planetarium gehört dazu, wie ich feststellen musste. »Sprung ins All« lautete der Titel des Programms und dementsprechend ging es um den Wettlauf zum Mond vom Sputnik über Gagarin bis zur Landung von Apollo 11 im Meer der Ruhe. Der vorausgehende Vortrag war kurz und knapp und dann begann die Präsentation. Wie man den »Aaahhhs« und »Ooohhs« im Zuschauerraum entnehmen konnte, waren es phantastische Bilder, die auf die Decke des Raumes projiziert wurden. Mir blieb die sphärischen Klänge und die entrückte Musik, die mich fast entschlummern ließen. Bis ich aufschreckte von Armstrongs Herzklopfen. Der erste Mann auf dem Mond war hörbar aufgeregt, als er die Landfähre zur Mondoberfläche steuerte. Kein Wunder, es wäre ja auch fast schiefgegangen. Anschließend konnte ich mich wieder zurücklehnen. Ich wusste ja, dass es die Landung gelungen war - auch wenn ich es nicht sehen konnte.
Mehr nach meinem Gusto war der anderntags stattfindende und bereits traditionelle jährliche Schlemmerausflug ins Fährhaus Kirschenland, über den ich schon im vergangenen Jahr ausführlich geschrieben habe. Das Spargelcremesüppchen sowie die Fleisch- und Gemüseplatte mundete wieder ausgezeichnet. Dazu gab es Spargel satt - zum letzten Mal in diesem Jahr. Und die Vanilleeisbombe war stilecht mit Wunderkerzen dekoriert und wurde zur Traumschiffmusik hereingetragen. Da fühlte man sich gleich wie ein Erster-Klasse-Passagier auf dem Luxusdampfer.
Non verbal
Donnerstag, 23. Juni 2011
Blindheit schränkt die Kommunikationsmöglichkeiten ein. Wie wahr dieser Satz ist, wurde mir jüngst wieder einmal klar. Ich besuchte eine Versammlung des Blindenvereins und saß neben einer mir bis dahin nicht bekannten Dame - nennen wir sie Gertrud. Wir stellten uns vor und es stellte sich heraus, dass sie zwar sehbehindert war, aber noch über einen guten Sehrest verfügte. Wir plauderten ein bisschen über dieses und jenes und schon nach wenigen Minuten schlug Gertrud vor, mich bei Spaziergängen oder Besorgungen zu begleiten, ja sogar mir im Haushalt zu helfen. Ich war begeistert. Bisher hatte mir noch niemand ungefragt und freiwillig derartige Hilfestellungen angeboten. Es dauerte aber nicht lange, bis mir die ersten Zweifel kamen. Denn jetzt begann sie plötzlich zu stöhnen und zu klagen. Über ihre gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit, ihre Geldsorgen und wie schwer es sei, von 430 Euro im Monat zu leben. Nun hatte sie damit ohne Zweifel Recht, aber ich merkte mehr und mehr, dass sie ein klares Ziel verfolgte. Sie suchte nach Möglichkeiten, ihre finanzielle Situation zu verbessern. Ich verhielt mich jetzt deutlich reservierter als zu Beginn des Gesprächs, und als ich von einem Toilettenbesuch zurückkam, hatte sie sich auf einen anderen Platz gesetzt. Neben einen Mann, mit dem ich mich zuvor über diese oder jene Frage der Vereinspolitik unterhalten hatte. Gertrud hatte sich schon vorher bemüht, an unserem Gespräch teilzuhaben - ohne Erfolg. Jetzt hatte sie meine Abwesenheit genutzt und löcherte den Herrn mit sehr persönlichen Fragen, etwa nach seinem Familienstand. »Nachtigall ick hör dir trapsen«, dachte ich. Als Sehender, hätte ich dank »Non-verbaler-Kommunikation« vermutlich schon vorher bemerkt, dass es Gertrud vor allem um ihren finanziellen Vorteil ging. Unser Gespräch wäre von Anfang an anders verlaufen. So dauerte es halt etwas länger.
Fischbrötchenkönig
Mittwoch, 15. Juni 2011
Wahrscheinlich geht es den meisten Menschen so, dass sie sich in ihrer eigenen Stadt schlechter auskennen als mancher Tourist - von den bildungsreisenden Studienräten ganz zu schweigen. Die heimatlichen Sehenswürdigkeiten besucht man meistens nur, wenn sich Besuch von außerhalb angesagt hat. So wie bei mir über die Pfingsttage. Meine Freundin Lore war zu Gast, und wie das immer so ist, wenn man sich jahrzehntelang kennt und nur selten sieht, gab es so viel zu bereden und zu diskutieren, dass die Zeit für ausgedehnte Stadtbesichtigungen fehlte. Fest vorgenommen hatten wir uns aber eine Hafenrundfahrt und tatsächlich: Gestern war es so weit. Vor vielen Jahren hatte ich schon einmal dieses Pflichtprogramm jedes Hamburgbesucher absolviert, seitdem hat sich vieles verändert. Nicht nur an den Hafen- und Werftanlagen sowie den dort liegenden Schiffen, sondern erst recht bei dem, was am Ufer Bestaunenswertes an uns vorbeizog. Ruckzuck war die einstündige Rundfahrt vorbei, nicht zuletzt dank der so sachkundigen wie launigen Kommentare des Fremdenführers.
»Seeluft« macht hungrig und so hielten wir nach dem Aussteigen Ausschau nach etwas Essbarem. Wie jedem »ordentlichen« Touristen stand uns der Sinn nach einem Fischbrötchen. Was gibt es auch Passenderes nach einer Hafenrundfahrt? Lore entdeckte eine Fischbude in unmittelbarer Nähe, na ja, eigentlich war es eher ein Restaurant mit Sitzplätzen im Freien. Aber: Fischbrötchen verkauften sie auch - und was für welche! Durch Zufall waren wir beim »Fischbrötchenkönig« gelandet, der sich diesen Titel sogar als Marke hat schützen lassen. Und in der Tat: Die Brötchen waren lecker und gut belegt und der Fisch war derart schmackhaft ... Eigentlich ist man als Einheimischer dumm, dass man nicht hin und wieder den Touristen folgt.
Geschrieben von Die Blindgängerin
um
15:02
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Tags für diesen Artikel: besichtigung, hamburg
Blinde Fotografin
Montag, 6. Juni 2011
Blinde sind interessant für Sehende. Das klingt komisch? Mag sein, aber es ist so. Immer wieder gibt es Projekte, die sich mit der ganz besonderen »Sichtweise« blinder Menschen beschäftigen. Kürzlich erfuhr ich im Magazin »meines« Blindenvereins, dass ein Fotograf Blinde Bilder ihrer Umwelt schießen lassen wolle. Das fand ich spannend und meldete mich. Es dauerte nur kurz und Kilian Förster, so der Name des Lichtbildners, meldete sich bei mir. Kurzentschlossen verabredeten wir uns und gestern besuchter er mich daheim. Nachdem er einige Porträts von mir gemacht hatte, ging es los. Er drückte mir eine einfache Kamera in die Hand und ich fotografierte mein Wohnzimmer, genauer das Sofa und den Tisch davor. Ob das Foto etwas geworden ist, weiß ich nicht, auf technische Perfektion kommt es aber auch nicht an. Vielmehr geht es darum, wie ich als blinde Frau meine Umgebung wahrnehme und beschreiben kann. Denn das war der zweite Schritt: Ich musste so genau wie möglich beschreiben, was auf dem Bild zu sehen ist - bzw. was ich glaube, das abgebildet ist.
Anschließend gingen wir nach draußen und ich knipste die Kirche mit dem davorliegenden Platz. Wieder beschrieb ich so ausführlich wir möglich, was ich denke, fotografiert zu haben. Kilian Förster war beeindruckt, wie genau ich die Motive beschreiben konnte. Er hatte zuvor schon einige andere Menschen Bilder machen lassen und dabei vor allem den Unterschied zwischen Geburtsblinden und später Erblindeten erkannt. Geburtsblinde konnten ihre Umwelt oft nur rudimentär beschreiben und Farben kämen überhaupt nicht vor. Dafür bewegten sie sich sehr sicher und ohne Angst. Da trägt das intensive Mobilitätstraining Früchte.
Nun bin ich natürlich sehr gespannt, was aus den Fotos und den Beschreibungen wird. Vielleicht bekomme ich sie ja zu sehen bzw. zu hören.
Kindermund
Mittwoch, 1. Juni 2011
Wenn ich mich in der heutigen Medienlandschaft bewege, wird mir oft vor Augen geführt, wie unbedarft wir als Kinder und Jugendliche waren. Während sie heute schon im Grundschulalter aufgeklärt sind, wussten wir von den elementaren Dingen des Lebens so gut wie nichts. Selbst im Biologieunterricht der höheren Klassen wurde allenfalls »gemendelt«. So versuchten wir, uns selbst Informationen zu besorgen und bastelten uns aus hier und da aufgeschnappten Wissensfetzen unsere Sicht der Welt. Nur so ist zu verstehen, dass mich folgende Kleinanzeige in einem Magazin, das mir beim Stöbern auf dem Dachboden in die Hände gefallen war, sehr empörte:
»Spitz umständehalber abzugeben.«
Was waren das nur für Menschen! Wollten ihren Hund los werden, nur weil er in anderen Umständen war!
Mich interessierte alles, was in Zeitungen und Zeitschriften stand. Dabei waren es bestimmte Wörter, die es mir besonders angetan hatten und die ich dann selbst versuchte, zu gebrauchen, wann immer sich die Gelegenheit ergab. Eines Tages las ich in einer Todesanzeige - ja, selbst die verschlang ich begierig:
»Änne verschied im blühenden Alter von 30 Jahren.«
Als ich kurz darauf vom Tod der Oma einer Klassenkameradin erfuhr, berichtete ich meiner Mutter abends davon:
»Weißt du, Karins Oma ist gestern gestorben. Im blühenden Alter von 91 Jahren.«
Geschrieben von Die Blindgängerin
um
16:53
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Tags für diesen Artikel: Erinnerungen, Kindheit
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