Gestern begann das Seminar zur „Traditionellen Chinesischen Medizin“. Ich war überrascht, dass sich zunächst alles um Philosophie drehte. Vor allem zwei Denkansätze finde ich überlegenswert. Dass Gedanken das menschliche Handeln bestimmen können, daran habe ich keinen Zweifel. Die chinesische Philosophie geht aber noch einen Schritt weiter, denn dort heißt es: „Achte auf deine Gedanken und Wünsche, denn sie könnten Wirklichkeit werden.“ Dass es für einen selbst zutrifft, scheint mir nicht abwegig. Wenn ich mir wünsche, gesund zu bleiben, habe ich wahrscheinlich eine größere Chance, Krankheiten aus dem Wege zu gehen, als wenn ich mir ständig ausmale, was mich alles treffen kann. Aber trifft dieser Grundsatz auch auf meine Gedanken über andere Menschen zu. Bedrohe ich jemanden vielleicht ganz direkt, wenn ich ihm Böses wünsche? Oder fallen diese negativen Gedanken über Dritte gar am Ende auf mich selbst zurück?
Eine überragende Rolle in der traditionellen chinesischen Medizin spielt die Ernährung. „Du bist, was du isst.“ Grundsätzlich kann ich dem durchaus zustimmen, allerdings werde ich mich nie dazu bewegen lassen, morgens eine große Portion Hirsebrei zu mir zu nehmen, mag sie auch noch so gesund sein.
So plausibel manches auch erscheinen mag, eine kleine Widerrede konnte ich mir im Seminar dann doch nicht verkneifen.
„Die chinesische Medizin wird in den Himmel gelobt. Da drängt sich mir die Frage auf, warum denn die Lebenserwartung und die generelle Gesundheit der Menschen in den europäischen Ländern höher ist als in China. So ganz schlecht kann unsere Art der Medizin wohl doch nicht sein.“
Ich denke, es kommt hier wie so oft darauf an, die positiven Dinge zu übernehmen und in unser System zu integrieren. Es gibt viele gute Ansätze in traditionellen Gesundheitssystemen, nicht nur im chinesischen. Hildegard von Bingen zum Beispiel ist ja auch gerade wieder in aller Munde. Bei einer akuten Erkrankung würde ich mich aber nicht auf Tees verlassen, sondern lieber meinem Arzt vertrauen. Am gesündesten und zum Wohle des Patienten ist sicher ein vernünftiger Mix aus traditionellen und modernen Medizinmethoden.
Besser als die theoretischen Überlegungen haben mir die praktischen Übungen gefallen. Chi Gong zum Beispiel mit seinen langsamen und fließenden Bewegungen ist tatsächlich eine wunderbare Entspannung nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist.
Ich freue mich schon auf die morgige Tai Chi Stunde.