Am Reformationstag hatte ich mir vorgenommen, den Gottesdienst zu besuchen. Ich stellte mich wie gewohnt an die Straße und wartete, dass jemand vorbeikam, den ich ansprechen und bitte konnte, mich zur Kirche zu führen. Es dauerte nicht lange und ich hatte meine Begleitung »gekapert«. Der Mann führte sein fünf Monate altes Dackelmädchen namens Leonie Gassi. Kaum hatte er mich untergehakt, begannen die Glocken zu läuten. Die junge Hündin erschrak derart, dass mein Begleiter sie auf den Arm nehmen musste. Vor Schreck hätte sie sonst keinen Schritt mehr getan.
In der Kirche dann eine freudige Überraschung. Zur Feier des Tages wurden Ausschnitte aus dem Spielfilm »Luther« gezeigt. Eine tolle Idee, die historischen Ereignisse lebendig werden zu lassen. Und sogar an mich hatte der Pastor gedacht, denn der Film war mit Audiotranskription, also einer Bildbeschreibung für Blinde und Sehbehinderte ausgestattet. Damit konnte ich nicht nur den Dialogen lauschen, sondern mir die Szenerie lebendig vorstellen. So kann es auch funktionieren: gelebte Integration einer Behinderten!