Gestern besuchte ich den Vortrag eines Studienrats (Deutsch/Latein), der beim christlichen Blindendienst über Friedrich Spee referierte. Ich muss gestehen, dass mir der Name nichts sagte, umso gespannter war ich auf den Vortrag.
Friedrich Spee wurde 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf als Sohn eines hohen kurkölnischen Beamten geboren. Er genoss eine gute Erziehung und trat 1610 gegen den Willen seiner Eltern mit 19 Jahren in Trier als Novize in den Jesuitenorden ein. Da in Trier die Pest ausbrach, wechselte er nach Fulda und legte dort 1612 das erste Gelübde ab. Nach seiner dreijährigen Zeit im Noviziat absolvierte er 1612–1615 das vorgesehene Philosophiestudium in Würzburg und studierte anschließend von 1619 bis 1623 Theologie in Mainz, wo er auch zum Priester geweiht wurde. In den folgenden Jahren lehrte er in Paderborn, Wesel und Köln und begann, geistliche Texte zu verfassen.
Im Oktober 1628 bekam er den Auftrag, in Peine die Rekatholisierung durchzusetzen. Die Peiner Bürger wurden vor die Wahl gestellt, die Stadt zu verlassen oder den katholischen Glauben anzunehmen. Es wird vermutet, dass dies der Anlass für den Angriff auf Friedrich Spee im Jahre 1629 war, bei dem er schwer verletzt wurde.
Nachdem er sich von seinen Verletzungen erholt hatte, erhielt er einen Lehrauftrag für Moraltheologie in Paderborn. Diesen entzog man ihm 1631 nach der Veröffentlichung der Cautio criminalis.
In dieser Schrift wendet sich Spee als Erster im katholischen Bereich gegen die Folter und trägt Einwände gegen den Hexenglauben vor. Ein damals mutiges und gegen die allgemeine Überzeugung gerichtetes Werk, dass seinen (sowie Drucker und Verleger) leicht hätte in Verdacht bringen können, Hexen in Schutz zu nehmen und so die Partei des Satans zu stärken. Darum konnte Spee seine Schrift nur anonym erscheinen lassen. Entgegen der damaligen Rechtsauffassung gab er als erster zu bedenken, dass Folter möglicherweise nicht der Wahrheitsfindung diene. Daraus leitete er die damals kühne Vermutung her, die verdächtigten Frauen seien unschuldig, obwohl sie unter Folter ihre Schuld gestanden hatten. Die Unschuldsvermutung, noch heute wichtiger Bestandteil unseres Rechtssystems, war geboren. Außerdem forderte Spee das Recht auf einen Rechtsbeistand, auch das bis heute gültig.
1633, zwei Jahre nach Veröffentlichung der Cautio criminalis, versetzte ihn der Orden als Professor für Kasuistik und Beichtvater der Gefängnisse und Krankenhäuser nach Trier. Dort vollendete Spee die vermutlich bereits zehn Jahre früher begonnene „Trutznachtigall“, eine Sammlung mit kunstvollen lyrischen Gedichten und heute noch bekannten Kirchenliedern.
Bei der Betreuung und Pflege von verwundeten und pestkranken Soldaten in Trier steckte er sich an und starb am 7. August 1635 im Alter von 44 Jahren. Sein Leichnam liegt in einer nach ihm benannten Gruft unter der Trierer Jesuitenkirche am Trierer Priesterseminar, dem ehemaligen Jesuitenkolleg, begraben.
Friedrich Spee: ein mutiger Mann mit visionären, humanistischen Gedanken! Gut, von ihm gehört zu haben.
Ach ja, jetzt hätte ich es fast vergessen: Zum ersten Mal in meinem Leben bekam ich Blumen zum Valentinstag. In meiner Jugend war dieser Tag noch gänzlich unbekannt und so musste ich also bis heute warten. Das einzige männliche Mitglied unseres Seniorenkreises hatte es sich nicht nehmen lassen, jeder Dame vier Tulpen zu überreichen.
Nett, nicht wahr?