Wahrscheinlich geht es den meisten Menschen so, dass sie sich in ihrer eigenen Stadt schlechter auskennen als mancher Tourist - von den bildungsreisenden Studienräten ganz zu schweigen. Die heimatlichen Sehenswürdigkeiten besucht man meistens nur, wenn sich Besuch von außerhalb angesagt hat. So wie bei mir über die Pfingsttage. Meine Freundin Lore war zu Gast, und wie das immer so ist, wenn man sich jahrzehntelang kennt und nur selten sieht, gab es so viel zu bereden und zu diskutieren, dass die Zeit für ausgedehnte Stadtbesichtigungen fehlte. Fest vorgenommen hatten wir uns aber eine Hafenrundfahrt und tatsächlich: Gestern war es so weit. Vor vielen Jahren hatte ich schon einmal dieses Pflichtprogramm jedes Hamburgbesucher absolviert, seitdem hat sich vieles verändert. Nicht nur an den Hafen- und Werftanlagen sowie den dort liegenden Schiffen, sondern erst recht bei dem, was am Ufer Bestaunenswertes an uns vorbeizog. Ruckzuck war die einstündige Rundfahrt vorbei, nicht zuletzt dank der so sachkundigen wie launigen Kommentare des Fremdenführers.
»Seeluft« macht hungrig und so hielten wir nach dem Aussteigen Ausschau nach etwas Essbarem. Wie jedem »ordentlichen« Touristen stand uns der Sinn nach einem Fischbrötchen. Was gibt es auch Passenderes nach einer Hafenrundfahrt? Lore entdeckte eine Fischbude in unmittelbarer Nähe, na ja, eigentlich war es eher ein Restaurant mit Sitzplätzen im Freien. Aber: Fischbrötchen verkauften sie auch - und was für welche! Durch Zufall waren wir beim »Fischbrötchenkönig« gelandet, der sich diesen Titel sogar als Marke hat schützen lassen. Und in der Tat: Die Brötchen waren lecker und gut belegt und der Fisch war derart schmackhaft ... Eigentlich ist man als Einheimischer dumm, dass man nicht hin und wieder den Touristen folgt.