Das vergangene Wochenende war angefüllt mit vielen Erlebnissen, vor allem mit langen und intensiven Gesprächen mit anderen Menschen. Aber der Reihe nach.
Vor geraumer Zeit sprach mich Heike Herrman, eine psychotherapeutische Heilpraktikerin und Beraterin aus Marburg an, ob ich nicht Lust hätte, an einem Projekt unter dem Titel „Blind Beauty“ mitzuarbeiten. Sie suchte erblindende und blinde Frauen, die bereit waren, sich mit ihrem persönlichen Gefühl von Weiblichkeit, Schönheit, Eleganz und Styling zu beschäftigen. Für solche Ideen und Pläne habe ich immer ein offenes Ohr. Gerne überließ ich Frau Herrmann Texte und Fotos von mir – obwohl ich ehrlich gesagt auch ein bisschen skeptisch war, ob das angedachte Buch jemals erscheinen würde. Ich sollte eines Besseren belehrt werden, denn vor einigen Wochen war es so weit und seit ein paar Tagen halte ich das Hörbuch in der Hand. Es trägt den Titel „Blinde Schönheit. Athentische Texte von blinden Frauen.“ (
http://www.captain-handicap.de/blind_beauty/schoenheit.php)
Viele der Frauen, die an diesem Buch mitgearbeitet hatten, trafen sich nun am vergangenen Wochenende in Wernigerode. Die meisten von uns kannten sich nicht und so war ich sehr gespannt darauf, was, oder besser gesagt wer mich erwartete. Schon bei der Vorstellungsrunde war ich von der Initiatorin des Projekts Heike Herrman fasziniert. Sie ist eine 48-jährige Frau, die trotz – oder wegen – ihrer Behinderung einen beeindruckenden Lebensweg zurückgelegt hat - einschließlich der Erziehung von Zwillingen. Obwohl uns altersmäßig eine Generation trennt, stellte ich sofort eine Seelenverwandtschaft fest. In den entscheidenden Fragen „blinden Lebens“ teilen wir die gleichen Einstellungen. Zum Beispiel sind wir beide der Überzeugung, dass ein blinder Partner unser Leben vereinfacht. Einem Sehenden mag das paradox vorkommen. Ist es nicht viel leichter, wenn wenigstens einer der beiden Partner sehen kann? Vordergründig vielleicht. In Wirklichkeit ist es anstrengender, denn die blinde Frau fühlt sich unter ständiger Beobachtung. Mache ich auch alles richtig? Was denkt er jetzt wieder von mir? Wie schaut er mich an? Mit einem blinden Partner hingegen lebt man in einer Art Schonraum. Man bespricht alle Fragen auf gleicher Ebene.
„Wie kommen wir da oder dort hin?“ „Wie regeln wir dieses oder jenes?“
So verstanden spielt zwischen blinden Partnern die Blindheit kaum eine Rolle. Vor allem: Keiner hält dem anderen die Behinderung vor. Das ist ausgesprochen wohltuend.
Auch die Gruppe blinder Frauen, die in Wernigerode zusammengekommen war, profitierte von diesem Faktor, so verschieden und individuell wir auch waren. Wir mussten nicht unsere Blindheit erklären, sondern konnten frei über uns und unsere Vorstellungen vom Leben reden. So unterschiedlich unsere Leben verlaufen sind, so unterschiedlich sind auch die Fotos und Texte, die im Buch versammelt wurden. Auf jeden Fall sind es beeindruckende Beispiele selbstbestimmten Lebens.
Auch das Rahmenprogramm war sehr gut organisiert. Am Samstag wurde uns eine Stadt- und Schlossführung geboten, die eindrucksvoll, aber auch anstrengend war. Ein bisschen weniger wäre mehr gewesen.
Intensiv unterhielten wir uns darüber, wie wir das Hörbuch vermarkten wollen und in welcher Form wir das Projekt weitertreiben. Schnell herrschte Einigkeit, dass wir uns auf jeden Fall wiedertreffen möchten. Hinsichtlich des Marketing gab es viele gute Ideen. Ich schlug vor, mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig Kontakt aufzunehmen. Vielleicht lässt sich ja noch eine Buchpräsentation für die Leipziger Buchmesse im Frühjahr organisieren. Was ich tun kann, bin ich gerne bereit beizutragen, denn es ist wirklich ein wunderbares Projekt.
Es ist schwierig, über ein Buchprojekt zu schreiben, an dem man selbst beteiligt ist. Zu leicht kann der Vorwurf erhoben werden, man wolle sich nur selbst loben. Trotzdem möchte ich meinen Lesern das Hörbuch „Blinde Schönheit“ ans Herz legen. Über das P
Aufgenommen: Nov 03, 18:45