Man glaubt ja immer, so etwas könne einem nie passieren. Man selber würde doch niemals bei so einer Kaffeefahrt getarnten Verkaufsveranstaltung mitmachen, geschweige denn sich dort zu einem Kauf nötigen lassen. Wie leicht es einem passieren könnte, habe ich gerade erlebt. Wobei ich zum Glück den Konjunktiv benutzen kann. Vor zwei Wochen nahm ich an einer Verlosung in meinem Supermarkt „um die Ecke“ teil. Eine freundliche Dame verteilte Kosmetik-Proben einer renommierten Marke und ich füllte eine Teilnahmekarte aus. Kurz darauf rief mich die Dame an. Ich hätte Waren im Wert von fast 50 Euro gewonnen und wäre zudem zu einer Veranstaltung samt Mittagessen in einem Hamburger Restaurant eingeladen. Eine schriftliche Einladung würde folgen. Nachdem diese auf sich warten ließ, obwohl der avisierte Termin immer näher rückte, griff ich zum Telefonhörer und rief die Kosmetikfirma an, in deren Namen die Dame aufgetreten war. Dort wusste man nichts von der Werbeaktion, mehr noch, man versicherte mir, dass man solche überhaupt nicht durchführe. Ich ging zu meinem Supermarkt und bat um ein Gespräch mit dem Marktleiter. Herr Madonna - ja, er heißt wirklich so - war dazu auch sofort bereit. Ich erfuhr, dass der Supermarkt selbst nichts mit dieser Verkaufsaktion zu tun habe, er hätte die Fläche nur an die Dame vermietet. Er riet mir von einem Besuch der Veranstaltung ab und meinte lapidar: „Das Einzige, was Sie dort bekommen, ist eine Pferdecke.“
So ganz wollte ich mich noch nicht damit zufrieden geben und bat einen Bekannten, in dem entsprechenden Restaurant anzurufen. Er erfuhr, dass die Veranstaltung bereits seit eine Woche abgesagt wäre. Tja, da kann ich ja froh sein, dass ich mich nicht auf den Weg gemacht habe. Aber auch alle anderen „Gewinner“, die vielleicht vergeblich zur angeblichen Gewinnübergabe gegangen sind, haben auch Glück gehabt. Besser einmal im übertragenen Sinne und von außen vor verschlossener Tür gestanden, als bei einer Verkaufsshow eingesperrt und vielleicht zum Kauf unnötiger und qualitativ minderwertiger aber überteuerter Dinge genötigt zu werden. Der groß angekündigte Gewinn wäre doch mit Sicherheit nur billiger Tand gewesen.