Bei den »Besonderen Tagen«, die das Aura Hotel in Timmendorfer Strand alljährlich im Frühjahr veranstaltet, bin ich quasi Stammgast. Auch dieses Jahr war ich dabei und genoss eine erlebnisreiche Woche mit interessanten Ausflügen. So ging es zum Beispiel nach Flensburg, wo wir durch die zwei Kilometer lange Fußgängerzone bummelten und bei einer Stadtführung so viel über die Geschichte der Stadt erfuhren, dass man es unmöglich alles im Gedächtnis behalten kann.
Einer der Höhepunkte war die Besichtigung einer Rumbrennerei. Seit mehr als 200 Jahren ist Flensburg bekannt für seinen Rum. Doch von einstmals Dutzenden Rumhäusern ist heute nur noch eines übrig, das seit 1878 edlen Flensburger Rum-Verschnitt und echten Jamaika-Rum produziert: A.H. Johannsen. Die Besichtigung des Betriebes, in dem heute gerade einmal 76.000 Flaschen des Zuckerrohrschnapses abgefüllt werden, ist also ein Ausflug in die Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Wobei den Frauen natürlich die »Marie« am besten schmeckte, ein leckerer Sahnelikör.
Für mich war der Höhepunkt dieser Tage die Kutschfahrt zur Bräutigamseiche bei Eutin. Ich genoss die Fahrt in einem dreispännigen Planwagen, gezogen von Billa, Ronja und Jule. Der Kutscher hatte die Pferde perfekt im Griff und ging dabei äußerst liebevoll mit ihnen um. Immer wieder lobte er sie und gab seine Anweisungen ruhig und präzise. Man merkte, dass er sein Fach verstand, schließlich hatte er bei der Kutscherprüfung auch 9,5 von 10 Punkten erreicht. Den halben Punkt hatte man ihm abgezogen, weil er vergessen hatte, eine Krawatte anzuziehen.
Die Bräutigamseiche ist über 500 Jahre alt, hat einen Umfang von 5 Meter, ist 25 Meter hoch und in der Krone 30 Meter weit. Den Platz rund um die Eiche schützt bis auf den Zugang ein Jägerzaun.
Über die Pflanzung der Eiche gibt es eine Sage, wonach ein an einen Baum gebundener keltischer Fürstensohn hier im Wald von einem Christenmädchen befreit worden sei. Aus Dank darüber pflanzte er die Eiche.
Die Sage verspricht außerdem, dass ein Mädchen, das bei Vollmond schweigend und ohne zu lachen dreimal um den Baum geht und dabei an den Geliebten denkt, noch innerhalb eines Jahres ihren Angebeteten heiraten wird.
Zu seinem Namen kam der Baum aufgrund einer Eheschließung unter seinen Ästen. Am 2. Juni 1891 trauten sich Fräulein Ohrt (Tochter des Dodauer Oberforstmeisters) und der Schokoladenfabrikant Schütte-Felsche unter dieser Eiche. Der Vater der Braut war zunächst gegen diese Verbindung und verbot den Kontakt, sodass die beiden Liebenden heimlich Liebesbriefe über ein Astloch dieses Baums austauschten.
Inzwischen sind als Folge der über die Eiche eingeleiteten Korrespondenz und Kontaktaufnahme mehr als hundert Ehen geschlossen worden.
Wer es selbst einmal versuchen möchte, die Postanschrift lautet: Bräutigamseiche, Dodauer Forst, 23701 Eutin.