An manche Dinge werde ich mich nie gewöhnen. Zum Beispiel an Unzuverlässigkeit, wie sie ein ehemaliger Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft an den Tag legte. Er hatte zugesagt, ein Referat vor blinden Senioren zu halten. Anscheinend schien ihm dieses Publikum nicht wichtig genug, denn eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung sagte er ab. Angeblich habe er aus Versehen einen anderen Termin zum gleichen Zeitpunkt angenommen. Wer‘s glaubt .... Mich regt so etwas auf, denn es ist eine grobe Missachtung der Zuhörer, die eigens wegen des Referenten gekommen waren. Mir ist es unverständlich, dass die meisten Menschen ein derartiges Verhalten tolerieren und klaglos hinnehmen.
Und gleich noch ein zweites Ärgernis. Am vergangenen Sonntag ging ich zur Kirche und erlebte einen derart uninspirierten Gottesdienst, dass es mir fast die Sprache verschlug. Die Pastorin machte den Eindruck, als erfüllte sie nur eine lästige Pflicht, sie ließ jedes Engagement und jede Begeisterung vermissen. Ich stellte mir vor, dass ausgerechnet an diesem Tag ein Mensch in die Kirche gekommen war, der an seinem Glauben zweifelte und nicht wusste, ob er der christlichen Gemeinschaft weiterhin angehören oder auch zu ihr zurückkehren sollte. Wie würde er sich wohl nach einem solchen Gottesdiensterlebnis entscheiden?