Zwei erlebnisreiche Tage in Leipzig liegen hinter mir. Wie es immer so geht mit Reisen oder Besuchen, auf die man sich lange gefreut hat, waren auch diese viel zu schnell vorbei. Im Mittelpunkt stand ein Besuch auf der Buchmesse und eine Veranstaltung im Rahmen von Leipzig liest.
Die Buchmesse erschlägt einen mit ihrem riesigen Angebot. Das Gedrängel in den Messehallen war groß und ich war froh, am Stand der Deutschen Zentralbücherei für Blinde einen festen Standort zu haben, wo ich quasi zu Hause war. Den Schwerpunkt der Präsentation bildete die Punktschrift und selbst ich erfuhr noch etwas Neues, als ich ein "Minibuch" in die Hand nehmen konnte. Natürlich trifft dieser Begriff nur im Vergleich zu den ansonsten sehr voluminösen Punktschrift-Folianten zu.
Ich besuchte während der Stunden auf der Messe auch den Stand der ARD und hörte einer interessanten Diskussion verschiedener Autoren, unter anderem mit dem Schriftsteller Hans-Ulrich Treichel, dem Leiter des Hamburger Literaturhauses Rainer Moritz und dem Schauspieler und Sänger Volker Lechtenbrink zu. Alle drei stellten ihre neuen, sehr unterschiedlichen Publikationen vor.
Am Abend fand dann in den Räumen der Deutschen Zentralbücherei für Blinde eine Lesung zum Thema "Blinde Schönheit" statt. Vorgestellt wurden die Bücher "Hinter Aphrodites Augen", herausgegeben von Jennifer Sonntag und "Blinde Schönheit", herausgegeben von Heike Hermann. Neben den beiden Herausgeberinnen waren auch zwei Autorinnen eingeladen - eine davon war ich.
Ich hatte mit zwanzig, höchstens dreißig Interessenten gerechnet. Als wir mit der Lesung begannen, waren alle 120 Stühle im Veranstaltungssaal besetzt. Die Zuhörer waren sehr interessiert und aufmerksam, man hätte eine Stecknade fallen hören können. Die Bandbreite der vorgetragenen Texte war groß und deckte das ganze Spektrum des Themas "Blindheit - Schönheit - Erotik" ab. Der Beifall der Zuhörer zeigte, wie sehr ihnen die Veranstaltung gefallen hat.
Gestern nahm ich dann zum Abschluss an einer sehr informativen Stadtführung durch Leipzig teil. Unsere Begleiterin Frau Graf war nicht nur eine kompetente Stadtführerin, sondern konnte uns vor allen auch die Ereignisse in der Wendezeit sehr anschaulich schildern, da sie die dramatischen Tage im Oktober und November 1989 selbst miterlebt hatte. Das war wirklich erlebte Zeitgeschichte.