Da der schon mehrfach angekündigte Fernsehbeitrag über mich immer noch auf sich warten lässt, berichte ich heute über zwei Erlebnisse ganz unterschiedlicher Art. Zum ersten von einer vom christlichen Blindendienst organisierten Kutschfahrt im Duvenstedter Brook. Ich liebe diese Art der Fortbewegung. Man ist inmitten der Natur und hört nur das Trappeln der Hufe vor sich, in der Nase den typischen Pferdegeruch. Kutschfahrten sind deshalb ganz besondere, sinnliche Erlebnisse. Zwei Stunden waren wir insgesamt unterwegs. Der Genuss war allerdings sehr getrübt, denn es war bitterkalt - wie überhaupt in diesem Mai, der sich manchmal eher wie ein November anführt. Zwei Stunden still in der Kutsche sitzen bedeutet zwei Stunden bibbern und frieren. Mir war derart kalt - da kamen Kaffee und Kuchen am Ende gerade recht.
Das zweite Erlebnis war ein Kulturgenuss - wenn auch etwas eingeschränkt. Mit einem befreundeten Ehepaar besuchte ich mal wieder ein Konzert im Sasel-Haus. Ein Trio namens »Opus 8«, bestehend aus Piano, Geige und Violoncello spielte Werke von Beethoven, Mendelssohn, Schumann und Smetana. Wunderbare, interessante Musik. Der Pianist war brillant, spielte aber so laut, dass er die beiden Streicher an die Wand spielte. Er haute derart in die Tasten, dass man sie kaum hörte. Als ich meine Begleiter darauf ansprach, meinten sie: »Ach, das ist uns noch gar nicht aufgefallen.« In der Pause fragte ich Herrn Kaiser, den ehemaligen Leiter des Hauses, den ich von vielen Seminaren in Timmendorf kenne. Er bestätigte meinen Eindruck und indirekt damit auch die immer wieder anzutreffende »Hörschwäche« vieler Sehender. Blinde hören zwar nicht besser, aber achten mehr auf die akustischen Signale und nehmen Feinheiten dadurch deutlicher wahr.