Artikel mit Tag hamburg
Erinnerungen
Dienstag, 21. Februar 2012
Garten der Frauen
Montag, 11. Juli 2011
Fischbrötchenkönig
Mittwoch, 15. Juni 2011
Blinde Fotografin
Montag, 6. Juni 2011
Wunderkinder
Donnerstag, 21. April 2011
Passionszeit
Donnerstag, 7. April 2011
Kirchenführung - blindengerecht
Sonntag, 13. Februar 2011
Virtuosen
Donnerstag, 27. Januar 2011
Nachdem wir noch gemeinsam zu Mittag gegessen hatten, wollte mich mein Begleiter nach Hause bringen. Ich überzeugte ihn, dass es völlig ausreichen würde, wenn er mich in den Bus setzt, der direkt von meinem Haus hält. Nach einigem Zögern stimmte er zu unter der Bedingung, mich eine halbe Stunde später anzurufen.
Daheim angekommen, schaltete ich das Radio ein und hörte eine interessante Reportage. Übrigens an dem Ort, an dem Sehende oft Zeitung lesen. Weil der Bericht mich fesselte, trödelte ich im Bad ein bisschen und als das Telefon klingelte, lief ich in den Flur, nahm den Hörer auf und sagte unmittelbar: „Hallo Gerd, ich bin gut angekommen.“
Am anderen Ende meldete sich aber nicht Gerd, sondern Dietrich. Merke: Der Blinden nützt die praktische Rufnummernanzeige auf dem Telefondisplay nichts. Auf jeden Fall war wieder einmal das Gelächter groß.
Modernes Leben
Mittwoch, 29. September 2010
Wenn ich ein paar Jahrzehnte jünger wäre, würde es mich bestimmt reizen, in der Hafencity zu leben. Aber einen alten Baum wie mich, verpflanzt man nicht mehr.
Wenn man schon im Hafen ist, darf eine Hafenrundfahrt nicht fehlen. Unsere Barkasse hieß Diplomat und war so edel wie der Name. Vor allem war sie überdacht! Der Barkassenführer unterhielt uns mit Informationen und lustigen Geschichten, während wir an den riesigen Pötten - unter anderem der MS Deutschland und der MS Europa - vorbeifuhren und uns Frikadellen mit Kartoffelsalat schmecken ließen.
Den Nachmittagskaffee gab es im Kirchenkaffee der Flussschifferkirche, das vom »Rauhen Haus« in Hamburg betrieben wird und Menschen mit Handicap eine Beschäftigung bietet. Der Abschlussgottesdienst wurde dann, passend zum Tagesprogramm in Plattdeutsch gehalten.
Eine vergnügliche Farce
Samstag, 31. Juli 2010
Die Aufführung bedient sich aller bekannten Zutaten des Boulevardtheaters. Türen werden zugeschlagen, es wird gelogen, dass sich die Balken biegen, es kommt zu Verwechslungen und ungeplante Begegnungen bieten jede Menge Situationskomik. Dass es ein vergnüglicher Abend war, liegt vor allem an dem skurrilen Humor und dem unglaublichen Tempo der Inszenierung. Den hervorragenden Schauspielern wird hier wirklich alles abverlangt, was das Publikum mit vielen Lachern und langem Beifall honorierte.
Theater(miss)vergnügen
Sonntag, 6. Juni 2010
So weit, so gut. Was eine leichte, locker erotische Aufführung hätte sein können, erstickte an diesem Abend im Winterhuder Fährhaus im eindeutig Zweideutigen. Nichts, aber auch wirklich gar nichts wurde ausgelassen. Das am häufigsten gebrauchte Wort dürfte »schwanzgesteuert« gewesen sein. Was ja irgendwie dann auch zur Inszenierung passte.
Theaterbesuch
Freitag, 6. November 2009
Gestern war ich mal wieder im Theater und zwar im deutschlandweit bekannten Ohnsorg Theater. Weit weniger bekannt dürfte sein, dass dort nicht nur Schwänke und Komödien auf dem Programm stehen, sondern hin und wieder auch ernste Werke der Weltliteratur. Allerdings auf Plattdeutsch und deshalb hieß Gerhard Hauptmanns Drama „Vor Sonnenuntergang“ auch „Ehr de Sünn unnergeiht“.
Das Stück erzählt vom über 70 Jahre alten Geheimrat Matthias Clausen, der sich nach dem Tod seiner Frau in die gerade erst 19 Jahre junge Inken verliebt. Zum Entsetzen seiner Kinder will er sie heiraten. Zum einen ist Inken nicht standesgemäß und zum anderen fürchten sie um ihr Erbe. Der Familienpatriarch soll enterbt werden. Schlussendlich treibt die Familie mit ihren Intrigen Clausen in den Selbstmord.
Geboten wurde wirklich große Schauspielkunst, die mich sehr berührte. Selten habe ich im Theater so mit einer Figur gelitten wie mit Matthias Clausen. Die Geschichte wühlte mich derart auf, dass ich froh war, als der letzte Vorhang fiel. Noch lange nach Ende der Vorstellung fiel es mir schwer, die düsteren Gedanken über die Grausamkeit der Menschen loszuwerden.
So grandios die Inszenierung insgesamt war, fand ich trotzdem die plattdeutsche Sprache in vielen Fällen unpassend. Nur ein Beispiel. Als Inken sich bemühte, ihren Geliebten aufzubauen und ihm Mut zusprechen wollte, sagte sie: „Rappel die op! Rappel die op!“ Hier wird die Sprache der Dramatik der Situation eindeutig nicht gerecht. Aber Ohnsorg Theater und Plattdeutsch - das gehört nun einmal zusammen.
