Vorurteil
Donnerstag, 14. Oktober 2010
Schön, wenn man positiv überrascht wird. Ich weiß ja nicht, woran Sie denken, wenn sie »Blockflötenkonzert« hören, mir kommt dann zuerst »Schulkonzert« in den Sinn mit schrillen, zuweilen nicht exakt getroffenen Tönen. Mit diesen Vorurteilen machte ich mich auf den Weg zur Kirche in meiner Nachbarschaft, wo ein Blockflötenkonzert auf dem Programm stand. Das heißt: zunächst ging ich auf die Straße, denn obwohl ich den Weg durchaus auch alleine schaffen würde, warte ich doch lieber auf eine sehende Begleitung. Als ich auf den Bürgersteig trat, rief mir eine Kinderstimme entgegen: »Vorsicht! Gleich sind Sie auf der Straße!« Ich wusste das wohl, bedankte mich aber und fragte: »Könntest du mich wohl zur Kirche bringen?«
Fabian, so hießt der Junge, rief noch seinen Kumpel Rollo zur Verstärkung und gemeinsam führten sie mich die kurze Strecke. Es war nicht genug Zeit, um viel von den beiden aufgeschlossenen Jungen zu erfahren. Nur, dass sie auf ein Gymnasium gehen, an dem mein Mann und ich einmal bei einer Schultheateraufführung mitgemacht haben. Die Lehrerin von damals gibt es noch und ich ließ Grüße ausrichten.
Das Konzert war dann ganz anders als erwartet. Sechs Damen und ein Herr spielten Volkstänze und Lieder aus Russland, der Mongolei, Skandinavien, Amerika und sogar aus Japan. Die zahlreichen Zuhörer applaudierten reichlich und zum Schluss sangen wir alle gemeinsam »Der Mond ist aufgegangen«. So werden Vorurteile manchmal widerlegt.
Apropos Vorurteile. Gestern besuchte ich die Delegiertenversammlung Hamburg-Mitte des Seniorenbeirats. Auf dem Programm stand ein Vortrag über Integration. Der Referent redete viel und meistens um den heißen Brei herum. In der anschließenden Diskussion zeigte sich, wie sehr es im Publikum brodelte. Klare Worte wären hier besser gewesen.
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