Artikel mit Tag thüringen
Göttinger Dialog
Montag, 31. Mai 2010
Wieder zu Hause, bin ich meinen treuen Leserinnen und Lesern noch die Schilderung der letzten Urlaubstage in Thüringen schuldig - samt eines skurrilen Erlebnisses bei der Rückfahrt, das so auch nur einem Blinden passieren kann. Aber der Reihe nach:
Am vorletzten Tag der Thüringen-Reise mit Anders-Sehn blieben wir in Gotha. Natürlich wurden wir zwei Stunden durch die Stadt geführt und hörten wieder so viel, dass ich das meisten davon kaum behalten werde. Spannend war der Besuch des Naturkundemuseums, denn hier gab es viel zu befühlen. Knochen von Ursauriern oder Elefanten sowie die komplette Nachbildung einer paläontologischen Ausgrabungsstätte. Abends folgte ein besonderer Kulturgenuss. Wir waren Gäste eines Konzertes im Café des Augustinerklosters. Ein Flötist und eine Harfenistin spielten Werke des 16. bis 20 Jahrhunderts. In der Pause durfte ich die Harfe ausgiebig befühlen - eine Premiere für mich.
Der Besuch in Weimar war trotz teilweise strömenden Regens entspannt, weil nicht mit Programm angefüllt. Mit Frau Hahn, Chefin und Besitzern von Anders-Sehn spazierte ich durch die Stadt, vorbei am Denkmal von Goethe und Schiller und dem Nationaltheater, in dessen Foyer wir vor einem Starkregenguss Schutz fanden. Die einstündige Kutschfahrt mit einem äußerst gesprächigen Kutscher gefiel mir besonders gut - ich liebe diese Art der Fortbewegung.
Nach einer original Thüringer Bratwurst zu Mittag folgte die unvermeidliche und auch diesmal an Informationen reiche Führung durch Pfarrgarten und Herderkirche mit dem berühmten Cranachaltar.
Und schon war diese erlebnisreiche Woche in einer wunderbaren deutschen Kulturlandschaft zu Ende. Die Rückreise verlief genauso problemlos wie die ganzen Tage - brachte allerdings ein lustiges Erlebnis.
Ich ließ mich beim Umsteigen in Göttingen von der Bahnhofsmission betreuen, wie immer, wenn ich alleine mit dem Zug unterwegs bin. Das klappt fast immer problemlos - so auch diesmal. Die Dame schlug vor, wir sollten statt der Treppen die Rampe für Behinderte nutzen. Gesagt - getan. Unterwegs sagte ich: »Das geht ja richtig in Serpentinen rauf!«
»Nein«, antwortete die Dame, »das ist Beton.«
Ich schmunzelte noch, als wir auf dem Bahnsteig ankamen. Dann hörten wir, dass die Abfahrt meines Zuges ausnahmsweise von Gleis 4 erfolge. Ich stöhnte auf:
»Bahnsteig 4, das ist ja JWD.«
»Nein«, sagte meine Begleiterin entrüstet, »wir sind hier in Göttingen.«
Es war gar nicht so leicht, nicht laut loszulachen.
Am vorletzten Tag der Thüringen-Reise mit Anders-Sehn blieben wir in Gotha. Natürlich wurden wir zwei Stunden durch die Stadt geführt und hörten wieder so viel, dass ich das meisten davon kaum behalten werde. Spannend war der Besuch des Naturkundemuseums, denn hier gab es viel zu befühlen. Knochen von Ursauriern oder Elefanten sowie die komplette Nachbildung einer paläontologischen Ausgrabungsstätte. Abends folgte ein besonderer Kulturgenuss. Wir waren Gäste eines Konzertes im Café des Augustinerklosters. Ein Flötist und eine Harfenistin spielten Werke des 16. bis 20 Jahrhunderts. In der Pause durfte ich die Harfe ausgiebig befühlen - eine Premiere für mich.
Der Besuch in Weimar war trotz teilweise strömenden Regens entspannt, weil nicht mit Programm angefüllt. Mit Frau Hahn, Chefin und Besitzern von Anders-Sehn spazierte ich durch die Stadt, vorbei am Denkmal von Goethe und Schiller und dem Nationaltheater, in dessen Foyer wir vor einem Starkregenguss Schutz fanden. Die einstündige Kutschfahrt mit einem äußerst gesprächigen Kutscher gefiel mir besonders gut - ich liebe diese Art der Fortbewegung.
Nach einer original Thüringer Bratwurst zu Mittag folgte die unvermeidliche und auch diesmal an Informationen reiche Führung durch Pfarrgarten und Herderkirche mit dem berühmten Cranachaltar.
Und schon war diese erlebnisreiche Woche in einer wunderbaren deutschen Kulturlandschaft zu Ende. Die Rückreise verlief genauso problemlos wie die ganzen Tage - brachte allerdings ein lustiges Erlebnis.
Ich ließ mich beim Umsteigen in Göttingen von der Bahnhofsmission betreuen, wie immer, wenn ich alleine mit dem Zug unterwegs bin. Das klappt fast immer problemlos - so auch diesmal. Die Dame schlug vor, wir sollten statt der Treppen die Rampe für Behinderte nutzen. Gesagt - getan. Unterwegs sagte ich: »Das geht ja richtig in Serpentinen rauf!«
»Nein«, antwortete die Dame, »das ist Beton.«
Ich schmunzelte noch, als wir auf dem Bahnsteig ankamen. Dann hörten wir, dass die Abfahrt meines Zuges ausnahmsweise von Gleis 4 erfolge. Ich stöhnte auf:
»Bahnsteig 4, das ist ja JWD.«
»Nein«, sagte meine Begleiterin entrüstet, »wir sind hier in Göttingen.«
Es war gar nicht so leicht, nicht laut loszulachen.
Das Herz Deutschlands
Donnerstag, 27. Mai 2010
Wenn es hier eine Weile still ist, dann ahnen sicher die Meisten, dass die Blindgängerin mal wieder auf Reisen ist. Genau. Diesmal für sieben Tage »auf den Spuren großer Geister in Thüringen«. So jedenfalls der Titel, den Susanne Hahn, Initiatorin und Inhaberin von »Anders-Sehn«, dieser Entdeckungsreise gegeben hat. »Anders-Sehn« ist ein Spezialreiseunternehmen, das blinden- und sehbehindertengerechte Entdeckungsreisen und Seminare anbietet. Zum Angebot des preisgekrönten Unternehmens gehören Städtereisen, Wander-Naturreisen und Themenwochenenden. Ich reise immer wider gerne mit »Anders-Sehn«, nicht zuletzt, weil wir Teilnehmer hier fast familiär betreut werden. Stets ist die »Chefin«, Frau Hahn, mit unterwegs und immer stehen uns nette und fürsorgliche Begleiterinnen und Begleiter zur Verfügung.
Diesmal also Thüringen, das Herz Deutschlands - nicht nur geografisch, sondern vor allem kulturell. Gleich am zweiten Tag besuchten wir eine germanische Kultstätte und die Rekonstruktion einer germanischen Siedlung aus der römischen Kaiserzeit in Niederdorla. Originalgetreue Hütten aus Reet und Flechtwerk, Kultgegenstände und Werkzeuge sowie ein Imbiss nach germanischer Rezeptur ließen diesen Teil der Geschichte lebendig werden. Übrigens: In Niederdorla befindet sich der geografische Mittelpunkt Deutschlands - wie auch immer man das berechnet hat.
Am nächsten Tag stand ein Besuch in der Zeiss-Stadt Jena auf dem Programm. Im Gartenhaus von Schiller saßen wir an dem Original-Steintisch, an dem Goethe und Schiller tiefschürfende Gespräche hatten. Schiller lebte zehn Jahre in Jena, wo er 1789 eine Professur als Historiker annahm, obwohl er in Medizin promoviert hatte und Professor der Philosophie war - eben ein Universalgenie. Beliebt, wie er vor allem durch »Die Räuber« war, löste die Nachricht der Lehrtätigkeit Schillers in Jena Begeisterungsstürme aus. Die Antrittsvorlesung brachte den Hörsaal zum Überlaufen, und so wechselten die zahllosen Hörer zum größeren Saal. Die ganze Stadt war in Aufruhr, weil man dachte, es brenne.
Natürlich besuchten wir Erfurt, bummelten durch den mittelalterlichen Stadtkern, vorbei an prächtigen Bürgerhäusern und über die vielgerühmte 800-jährige Krämerbrücke mit ihren winzigen Läden und Wohnhäuschen. Besonders interessant fand ich den Besuch einer Blaudruckwerkstatt. Hier wird noch wie im Mittelalter mit der Färberpflanze Waid gearbeitet und Tischdecken und Tücher mit der Hand bedruckt.
Gestern besuchten wir Eisenach, die Geburtsstadt Johann Sebastian Bachs, die aber natürlich genauso eng mit Martin Luther verbunden ist. Den anstrengenden Spaziergang zur Wartburg ließ ich nicht nur wegen des schlechten Wetter aus und fuhr bequem mit dem Taxi. Die Tage waren ohnehin anstrengend genug. Aber auch vollgepackt mit einmaligen Erlebnissen. Ich freue mich schon auf das, was noch folgt und werde darüber natürlich ausführlich berichten.
Diesmal also Thüringen, das Herz Deutschlands - nicht nur geografisch, sondern vor allem kulturell. Gleich am zweiten Tag besuchten wir eine germanische Kultstätte und die Rekonstruktion einer germanischen Siedlung aus der römischen Kaiserzeit in Niederdorla. Originalgetreue Hütten aus Reet und Flechtwerk, Kultgegenstände und Werkzeuge sowie ein Imbiss nach germanischer Rezeptur ließen diesen Teil der Geschichte lebendig werden. Übrigens: In Niederdorla befindet sich der geografische Mittelpunkt Deutschlands - wie auch immer man das berechnet hat.
Am nächsten Tag stand ein Besuch in der Zeiss-Stadt Jena auf dem Programm. Im Gartenhaus von Schiller saßen wir an dem Original-Steintisch, an dem Goethe und Schiller tiefschürfende Gespräche hatten. Schiller lebte zehn Jahre in Jena, wo er 1789 eine Professur als Historiker annahm, obwohl er in Medizin promoviert hatte und Professor der Philosophie war - eben ein Universalgenie. Beliebt, wie er vor allem durch »Die Räuber« war, löste die Nachricht der Lehrtätigkeit Schillers in Jena Begeisterungsstürme aus. Die Antrittsvorlesung brachte den Hörsaal zum Überlaufen, und so wechselten die zahllosen Hörer zum größeren Saal. Die ganze Stadt war in Aufruhr, weil man dachte, es brenne.
Natürlich besuchten wir Erfurt, bummelten durch den mittelalterlichen Stadtkern, vorbei an prächtigen Bürgerhäusern und über die vielgerühmte 800-jährige Krämerbrücke mit ihren winzigen Läden und Wohnhäuschen. Besonders interessant fand ich den Besuch einer Blaudruckwerkstatt. Hier wird noch wie im Mittelalter mit der Färberpflanze Waid gearbeitet und Tischdecken und Tücher mit der Hand bedruckt.
Gestern besuchten wir Eisenach, die Geburtsstadt Johann Sebastian Bachs, die aber natürlich genauso eng mit Martin Luther verbunden ist. Den anstrengenden Spaziergang zur Wartburg ließ ich nicht nur wegen des schlechten Wetter aus und fuhr bequem mit dem Taxi. Die Tage waren ohnehin anstrengend genug. Aber auch vollgepackt mit einmaligen Erlebnissen. Ich freue mich schon auf das, was noch folgt und werde darüber natürlich ausführlich berichten.
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